Kreisgruppe Dortmund

Interessante Mischung aus "zivilisierter" und "naturnaher" Gartengestaltung

11. September 2020

BUND-Exkursion zur Landesgartenschau in Kamp-Lintfort mit hervorragender Fachführung

Wassergarten auf dem Gelände der Landesgartenschau Kamp-Lintfort  (Brigitte Bornmann-Lemm)

Am 5.9.2020 machten wir mit einer zehnköpfigen Gruppe eine Exkursion zur Landesgartenschau (LAGA) in Kamp-Lintfort. Die LAGA verbindet über einen Wandelweg zwei Schwerpunkte der Gartenschau. Zum einen die ehemalige Zeche Friedrich-Heinrich und zum anderen das ehemalige Kloster Kamp. Wir trafen uns um 10 Uhr zur zweistündigen Fachführung mit der Landschaftsarchitektin Kirsten Holsteg (Bauleitplanung und verantwortlich für die Dauergrünanlagen).

Für diese Landesgartenschau war keine Naturschutzprüfung notwendig, da es sich um ein ehemaliges Zechengelände handelt und somit kein Eingriff in die Natur stattgefunden hat. Der Boden war bereits versiegelt und zudem aus den beiden Kriegen noch kontaminiert. Nach Aufgabe der Zeche und Rückbau/Sanierung soll hier ein neues Wohnquartier entstehen. Ein Teil der LaGa um den Förderturm wird als Dauergrünanlage und Mittelpunkt des Wohnquartiers bestehen bleiben. Eine Tiefenentkernung hat im bodenbelasteten Teil unter der Halde nicht stattgefunden. Vielmehr wurden nur die kleineren belastete Flächen aus dem Bereich entkernt und alles dann als Haldenhügel auf dem großen kontaminierten Bereich aufgeschüttet. Anschließend mit Folien bedeckt damit kein weiteres Regenwasser die Altlasten ins Grundwasser spült. Eine Erdschicht zur Bepflanzung wurde neu aufgetragen und Blühwiesen aus Regio-Saatgut darauf angelegt.  An der ehemaligen Quelle der Goorley, das ist der Fluss, der im Halbbogen diese  Fläche umfließt und in den letzten Jahrzehnten als Abwasserkanal diente, ist eine Grundwasserreinigungsanlage errichtet worden. Das gereinigte Wasser fließt nun als „Quellwasser“-Ersatz in den Lauf der Goorley. Der Flusslauf dient mit seinen angelegten Auen auch als Regenrückwasserhaltebecken.

Frau Holsteg berichtete weiterhin, dass die Hauptaufgabe einer Landesgartenschau die Präsentation von Blumen sei. Dies wird von den Besuchern erwartet. Hier wird die Gartenschau auch dazu beitragen, dass der Strukturumbau eines ehemaligen Zechengeländes (Stilllegung 2012) zu einem neuen Wohnquartier schneller vonstattengehen kann. Ein weiterer positiver Effekt sei, dass Natur und Landschaft wieder aufgebaut würden. 20 Hektar des LaGa-Zechenparkgeländes bleiben auch nachher als Park bestehen. Die LaGa zeigt Ausstellergärten der Grünen Wirtschaft (GaLa-Bau, Gärtner, etc.) der Umgebung. Ein Planungsbüro hat nach einer entsprechenden Ausschreibung ein künstlerisches Gesamtkonzept geschaffen. Außerdem wurden neben den ca. 40.000n Zwiebeln und Stauden auch 800 Bäume gepflanzt, die später bleiben. Da diese Bäume innerhalb der Stadt einen schwierigen Standort haben, wurden keine sogenannten heimischen Bäume gewählt. Heimische Waldbäume, Gehölze und Gräser wie Eichen und Buchen sind an ein atlantisches Klima mit Regenfällen an eher feuchten Standorten gewöhnt. Eine Innenstadt auf entwässerten Standorten bietet aber nur kontinentales, trockenes Steppenklima. Es wurden also entsprechend Bäume aus kontinentalem Steppenklima wie Hopfenbuchen, Purpur-Erlen, Blumeneschen gepflanzt. Der gärtnerische Teil der LaGa zeigt Ausstellergärten der GaLa-Bauer, der  Friedhofsgärtner, der Baumschulen sowie der NUA und Naturgarten.org. mit einem Stand zu naturnahem und urbanem Gärtnern. Interessanterweise haben die Baumschulen und nicht die GaLa-Bauer einen Bereich aufgebaut, in dem acht Beispiele für sinnvolle Vorgärten gezeigt werden. 

Nach einem gemeinsamen Mittagessen hat sich die Gruppe getrennt, um die Gartenschau nach eigenen Gesichtspunkten zu erkunden. Wir sind sowohl die Zechenparkfläche nochmals abgegangen als auch mit dem Shuttlebus zum Kamper Gartenreich auf dem Abteiberg gefahren. Der Bereich um das Kloster Kamp hat sich im Vergleich zu unseren früheren Besuchen kaum verändert. In den letzten Jahren sind nur der rekonstruierte Alte Garten, der Weinberg und die Obstbaumwiese mit dem Bienenhaus dazugekommen. Der barocke Terrassengarten wurde ja bereits vor Jahrzehnten restauriert.

Fazit:

Diese Landesgartenschau in Kamp-Lintfort bietet eine interessante Mischung aus „zivilisierter“ und „naturnaher“ Gartengestaltung. Die Führung durch Frau Holsteg hat uns intensiv vermittelt, welche Möglichkeiten zur Altlastensanierung, zur Stadtbaum-Auswahl und zur Schaffung von Blühwiesen (Effektblühwiesen, Ackerrandstreifen, Flachland-Mähwiesen) es geben kann. Probleme, die wir ja auch hier in Dortmund haben. Beim Beobachten der Besucherströme fällt jedoch auf, diese werden von optisch schönen Pflanzen mit großen Blüten in geschmackvoller Farbzusammenstellung angezogen. Wasser und höher gelegene Bereiche haben ebenfalls starkes Anziehungspotential. Die naturbelassenen Flächen werden nicht zur Kenntnis, vermutlich noch nicht einmal wahrgenommen. 

Text und Foto: Brigitte Bornmann-Lemm

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